LKH Feldkirch etabliert brustherhaltende Operationsmethode 02.06.2026
Erfolgreiche Tumorentfernung und weniger Nachoperationen. Das sind die erfreulichen Ergebnisse jener weltweiten Studie zu einer neuen brusterhaltenden Operationsmethode, an der das Team der Abteilung „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ unter Primar DDr. Burghard Abendstein teilgenommen hat. Bei der Methode, die seit einem Jahr am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch im Einsatz ist, wird auf Basis eines speziellen Programms der Tumorherd exakt lokalisiert und damit derart eingegrenzt, dass das Karzinom besonders präzise entnommen werden kann. „Aufgrund der guten Studien-Resultate ist der Breast Cancer Locator – oder Brustkrebs-Lokalisator, wie wir ihn hier nennen – nun fix bei uns etabliert“, freut sich Primar DDr. Burghard Abendstein.
Vorarlberg beteiligte sich mit seinem zertifizierten Brustzentrum unter der Leitung der geschäftsführenden Oberärztin Dr. Angelika Wolfrum als einziges österreichisches Bundesland an der klinischen Studie. Am LKH Feldkirch sind dafür bislang sieben Operationen mit dem Brustkrebs-Lokalisator erfolgreich durchgeführt worden. Weitere 21 medizinische Zentren unter anderem in den USA, in Kanada, Großbritannien, Deutschland und in der Schweiz haben sich an der Studie beteiligt.
Detaillierte „Tumorkarte“ mit Informationen
Nach einem chirurgischen, brusterhaltenden Eingriff (Lumpektomie), bei dem ein Tumor sowie ein kleiner Saum gesunden Gewebes aus der Brust entfernt werden, können auch bei präzisestem Vorgehen der medizinischen Teams in etwa bei 20 bis 25 Prozent der Fälle Krebszellen zurückbleiben. Das macht dann zumindest eine zweite Operation notwendig. „Brusttumore haben häufig eine unregelmäßige Form“, erklärt OÄ Dr. Wolfrum. „In dieser Studie wurde untersucht, ob mithilfe eines individuell angepassten Navigationsgeräts und einer damit noch präziseren Darstellung von Größe und Form des Tumors erfolgreichere Operationen möglich sind.“ Denn die Breast Cancer Locator (BCL)-Technologie erlaubt es den Expert:innen, die genaue Lage und die Grenzen der Tumore zu bestimmen und diese vor und während der Operation in 3D darzustellen. „Man kann sich das wie eine detaillierte Tumorkarte vorstellen“, verdeutlicht Prim. DDr. Abendstein. „Eine Karte mit Informationen, die bei anderen Methoden bislang gefehlt haben.“
Deutlich weniger Zweitoperationen
Die Auswertung der Eingriffe mit dem BCL-System deuten nun klar darauf hin, die Rate der Nachoperation damit senken zu können: Die Studie umfasste 418 Patientinnen mit nicht tastbarem invasivem Brustkrebs oder DCIS (sehr frühe, nicht-invasive Form von Brustkrebs), die entweder mit dem BCL-System oder der herkömmlichen „Drahtmarkierung“ zur Tumorlokalisation behandelt wurden. Für die Analyse sind die Resultate der Eingriffe verglichen worden. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass bei Eingriffen mit dem BCL-System um 34 Prozent weniger Zweitoperationen notwendig waren. Der Tumor konnte in diesen Fällen vollständig entfernt werden, ohne dass Krebszellen am Rand des entfernten Gewebes verblieben sind.
Im Vergleich zur konventionellen Drahtmarkierung zeigte das BCL-System in der Studie:
34 % weniger Nachresektionen bzw. Zweit-Operationen
32 % Verbesserung der Rate, bei der Krebszellen am Resektionsrand nach der OP gefunden wurden
Individuell angepasste Form mittels 3D-Druck
Die Grundlage des Breast Cancer Locator-Systems bildet eine MRT-Aufnahme, die mit der Patientin in Rückenlage durchgeführt wird – also in derselben Position wie während der Operation, um die exakte Darstellung von Form, Größe und Lage des Tumors zu erhalten. Auf Basis dieser MRT-Daten stellt das System mittels 3D-Druck ein individuell angepasstes, brustförmiges BCL-Gerät her, das sowohl die einzigartige Form der Brust als auch die spezifische Lage und Form des Tumors berücksichtigt. Zu Beginn der Operation wird das BCL auf die Brust der Patientin aufgesetzt, und die Chirurg:innen nutzen die Öffnungen im Gerät, um sich während der Entfernung des Tumors präzise an dessen Grenzen zu orientieren. Der Tumor kann auch während der Operation in 3D dargestellt werden.
Die Ergebnisse der Studie wurden Anfang Mai auf der Jahrestagung der „American Society of Breast Surgeons“ in Seattle vorgestellt. „Wir freuen uns, im Sinne unserer Patientinnen Teil dieser Forschung zu sein. Es unterstreicht auch einmal mehr das Engagement unseres Brustzentrums-Teams“, betonen Abteilungsleiter DDr. Burghard Abendstein und OÄ Dr. Angelika Wolfrum.
Fotonachweis:
Brusterhaltende OP-Methode LKH Feldkirch; ©VLKH
The Breast Cancer Locator™ System (BCL™); ©Cairn Surgical
WEITERE NEWS finden Sie hier: www.landeskrankenhaus.at/news