Virtuelle Reisen bereichern die Palliativversorgung 19.08.2026
Telemedizin, Gesundheits-Apps und virtuelle Realität (VR): Moderne Technologien eröffnen nicht nur neue Möglichkeiten in der Medizin, sondern unterstützen auch die Pflege und verbessern die Lebensqualität von Patient:innen. So belegt etwa eine Studie am LKH Hohenems, dass Palliativpatient:innen den Einsatz virtueller Realität überwiegend als entspannend und bereichernd erleben. Auch ältere Menschen begegnen der neuen Technologie mit erstaunlich wenig Berührungsängsten.
Für die Beobachtungsstudie, die zwei Pflegefachkräfte des LKH Hohenems im Rahmen ihres Palliativ-Basis-Lehrgangs über einen Zeitraum von sechs Monaten als Projektarbeit erstellt haben, wurden insgesamt 16 Palliativpatient:innen im Alter von 50 bis 80 Jahren vor und nach der Anwendung der VR-Brille befragt. Während der virtuellen Reise war stets eine Pflegeperson anwesend, um die Anwendung individuell anzupassen und aufmerksam zu begleiten. Die Teilnehmenden konnten unter anderem Gebirgslandschaften, exotische Länder und Tieraufnahmen erleben. Technisch wird der räumliche Eindruck durch zwei Bildschirme – einen für jedes Auge – erzeugt. Zusammen mit Bild und Ton haben die Nutzer:innen das Gefühl, in eine andere Umgebung einzutauchen.
Durchweg positive Erfahrungen
Die Ergebnisse fielen durchweg positiv aus: 15 der 16 Befragten berichteten nach der Anwendung von „schönen Eindrücken“, zehn fühlten sich entspannt, bei sieben wurde das Interesse an der Technologie geweckt. Schwindel, Übelkeit, Reizüberflutung oder Stress wurden von keiner der befragten Personen angegeben. Besonders bemerkenswert: 14 Teilnehmende nutzten eine VR-Brille zum ersten Mal, davon zeigten 13 großes Interesse. Nur zwei Personen standen dem Versuch ängstlich gegenüber. 14 Patient:innen waren sich sicher, die VR-Brille wieder einsetzen zu wollen, eine Person antwortete mit „eher ja“. Elf Teilnehmende bewerteten den Einsatz als „sehr sinnvoll“, vier als „sinnvoll“.
Von entspannend bis schmerzlindernd
Die meisten Patient:innen der Palliativstation am LKH Hohenems befürworten vor allem immer dann einen Einsatz der VR-Brille, wenn diese zur Entspannung und Ablenkung beiträgt und berichten von positiven Erfahrungen während eines Verbandswechsels, bei Blutabnahmen oder Schmerzen. „Gerade in der Palliativversorgung geht es nicht nur darum, Symptome zu behandeln, sondern Lebensqualität zu erhalten“, erklärten die Projektverantwortlichen, DGKP Katharina Widmann und DGKP Natalie Meusburger, als sie ihr Projekt auf dem österreichischen Palliativkongress vorstellten. Und DGKP Andrea Moosbrugger, Leiterin der Palliativstation am LKH Hohenems bestätigt: „Die Studie aus dem Jahr 2023 belegt, was wir täglich erleben: Die VR-Brille ist eine große Bereicherung für das nicht-medikamentöse Therapiespektrum.“ Selbstverständlich müsse der Einsatz der VR-Brille durch eine Pflegeperson begleitet und die entsprechenden Zeitressourcen eingeplant werden.
WEITERE NEWS finden Sie hier: www.landeskrankenhaus.at/news