Radioaktive Paste bekämpft weißen Hautkrebs 25.02.2026
Radionuklid Rhenium-188 zerstört Krebszellen schmerzfrei und nachhaltig
Rund 30.000 Menschen pro Jahr erkranken in Österreich erstmals an sogenanntem weißem Hautkrebs. In Vorarlberg geht man entsprechend von 1.200 bis 1.500 Erstdiagnosen jährlich aus, ihre Zahl ist im Gegensatz zur Diagnose „schwarzer Hautkrebs“ (Melanom) nicht statistisch im Krebsregister verankert. Weißer Hautkrebs ist weniger bösartig als schwarzer Hautkrebs, er „streut“ sehr selten, wächst lokal, langsam und lässt sich – frühzeitig erkannt – fast immer gut entfernen. Zumeist wird er chirurgisch behandelt. Seit Kurzem gibt es auch eine nicht-invasive Möglichkeit, weißen Hautkrebs zu bekämpfen: Eine radioaktive Paste, die den kurzlebigen Beta-Strahler Rhenium-188 enthält, zerstört die Krebszellen rasch, völlig schmerzfrei und nachhaltig.
In fächerübergreifender Zusammenarbeit von Expert:innen der Abteilungen „Dermatologie und Venerologie“ und „Nuklearmedizin“ am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch wurden die ersten Patient:innen bereits erfolgreich mit der radioaktiven Paste behandelt: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, freuen sich Primaria Dr. Nina Häring, MBA und Primar Univ.-Doz. Dr. Alexander Becherer.
Chirurgische Entfernung, wenn möglich
„Weißer Hautkrebs wird hauptsächlich durch Sonnenbestrahlung ausgelöst und kann bei ein- und derselben Person gleich mehrmals auftreten“, erklärt Prim.a Dr. Nina Häring. „Denn es gibt Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ein höheres Risiko in sich tragen als andere.“ Man erkennt mögliche Vorstufen an schuppigen und rauen Hautstellen, die sich wie Sandpapier anfühlen: „Das sind aktinische Keratosen, also Lichtkeratosen, die man zu jeder Jahreszeit gut mit Sonnenschutz abdecken sollte und vorwiegend im Gesicht, an den Ohren, am Handrücken und am oberen Rücken vorkommen“, erklärt die Dermatologin. Zur Art des weißen Hautkrebses zählen das Basalzellkarzinom (Basaliom) und das Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) – abhängig davon, von welchen Hautzellen der Krebs ausgeht. Das zu bestimmen, liegt im Aufgabenbereich der Pathologie. Goldstandard der kurativen Therapie bei weißem Hautkrebs ist die chirurgische Entfernung, sofern das möglich ist. Dieser Eingriff wird meist in Lokalanästhesie durchgeführt. Nur selten ist eine Vollnarkose nötig, dann arbeiten die Teams der „Dermatologie und Venerologie“ (bzw. jene in den fachärztlichen Praxen) oftmals mit Expert:innen aus dem Bereich der „Plastischen Chirurgie“ zusammen.
Rhenium-188: zusätzliche Form der lokalen Therapie
Auch die neue Rhenium-Therapie wird am LKH Feldkirch interdisziplinär, in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Nuklearmedizin durchgeführt und stellt eine spezielle Form der Strahlentherapie dar. Sie ist in erster Linie für Patient:innen gedacht, bei denen eine Operation von weißem Hautkrebs nicht oder nicht mehr möglich ist. Ursache dafür kann unter anderem sein, dass bereits mehrere Operationen an derselben Stelle durchgeführt wurden und das Gewebe einen neuerlichen Eingriff nicht mehr tolerieren würde. Auch hohes Alter und der medizinische Ausschluss anderer Therapieformen können Gründe für den alternativen Einsatz der neuen Rhenium-188-Therapie sein – etwa bei schweren Begleiterkrankungen oder wenn ein einschränkender bzw. entstellender Eingriff im Gesicht notwendig wäre, um den Krebs zu entfernen.
Keine Strahlenbelastung für Körper und Umfeld
Das radioaktive Rhenium-188 wird in einer pastösen Trägermasse geliefert. Nach Einzeichnung der Tumorgrenzen wird die Stelle mit einer transparenten Folie überklebt und die Paste innerhalb der Grenzen aufgetragen. Die Einwirkzeit wird individuell je nach Tumordicke und aufgetragener Radioaktivität berechnet. „Sie beträgt zwischen 30 und 180 Minuten, meist um die 90 Minuten. Die Beta-Strahlung entfaltet ihre therapeutische Wirkung auf den Tumor begrenzt und zerstört die Krebszellen, während das umliegende gesunde Gewebe geschont wird“, erklärt Primar Dr. Alexander Becherer. Nach dem Ende der Behandlungszeit wird die Folie mit der Paste wieder entfernt.
Die Behandlung erfolgt ambulant, es ist kein stationärer Krankenhausaufenthalt nötig. „Der große Vorteil ist, dass mit dieser einmaligen Behandlung der Hautkrebs zum Verschwinden gebracht werden kann – und das mit ausschließlich lokal begrenzter Wirkung“, fasst Prim.a Dr. Häring zusammen. „Es verbleibt keine Radioaktivität am und schon gar nicht im Körper“, ergänzt Prim. Dr. Becherer: „Das heißt, wenn die Patient:innen nach der Behandlung nach Hause gehen, müssen sie sich keinen Sorgen machen, dass Auswirkungen auf ihren restlichen Körper bestehen oder sie durch verbleibende Strahlung ihre Umgebung belasten.“
Haut heilt folgenfrei ab
Durch die Radioaktivität kommt es zu einer Zerstörung des Tumors, die entarteten Zellen werden vom Körper abgestoßen. Kurzfristig entsteht dabei eine kleine Wunde – ähnlich einer Abschürfung, die mit schützenden und desinfizierenden Maßnahmen ganz unkompliziert nachbehandelt werden kann. Nach sechs, zwölf, 24 Wochen und nach einem Jahr kommen die Patient:innen zur Kontrolle, bei der jeweils auch eine Fotodokumentation erfolgt. „Die betroffene Hautstelle heilt rasch und praktisch narbenfrei wieder ab“, hat Primaria Dr. Häring bereits gute Erfahrungen gemacht: „Wir hatten erst kürzlich unsere ersten vier Patient:innen zur Nachkontrolle bei uns – und die Behandlungsergebnisse sind wirklich sehr erfreulich.“
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