Premiere am LKH Feldkirch: Hörerfolge, die unter die Haut gehen 05.05.2026
Die Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (HNO) am Landeskrankenhaus Feldkirch hat erstmals ein Knochenleitungshörgerät implantiert, das mit piezoelektrischer Technik funktioniert: Dabei wird der Schall über den Knochen direkt an das Innenohr weitergeleitet. Im Falle von Schallleitungs- und kombinierter Schwerhörigkeit verbessert die innovative Technologie (OSIA-System der Firma Cochlear) das Hörvermögen und ermöglicht so ein besseres Sprachverstehen.
An der HNO-Abteilung des LKH Feldkirch werden seit über 20 Jahren Cochlea-Implantate eingesetzt, also Implantate, die die Cochlea (Hörschnecke) im Innenohr direkt stimulieren. Zudem implantiert das Team seit mehreren Jahren auch Mittelohrimplantate sowie Knochenleitungshörgeräte bei Schallleitungs- und kombinierter Schwerhörigkeit. Während ältere Systeme noch eine kleine Öffnung durch die Haut brauchten, arbeiten moderne Implantate wie Bonebridge (Firma MedEl) und OSIA (Firma Cochlear) komplett unter der Haut und sind dadurch noch komfortabler und hygienischer. Herzstück des Osia-Implantats ist ein sogenannter piezoelektrischer Schallwandler. Dabei wird elektrische Energie direkt in feine mechanische Schwingungen umgewandelt, die über den Schädelknochen an das Innenohr weitergeleitet werden. Diese Technologie ermöglicht eine besonders klare und starke Klangübertragung auch dann, wenn das Innenohr mitbetroffen ist. „Das OSIA-System bietet ein exzellentes Sprachverstehen auch bei kombinierter Schwerhörigkeit“, betont Oberarzt Dr. Miklos Horvath, der im Jänner am LKH Feldkirch das erste OSIA-Implantat eingesetzt hat.
„Ich gratuliere dem Team am LKH Feldkirch sehr herzlich zu dieser Leistung. Solche Innovationen zeigen die hohe Qualität unserer Spitäler“, freut sich Landesrätin Martina Rüscher, MBA, MSc, „unser Ziel ist es, die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Vorarlberg auch künftig auf höchstem Niveau sicherzustellen. Durch die Bündelung von Kompetenzen im Spitalscampus schaffen wir dafür die notwendigen Voraussetzungen.“
Vier Fragen an Primar Prof. Dr. Fabian Sommer, Leiter der HNO-Abteilung am LKH Feldkirch
1. Welche Patientinnen und Patienten eignen sich besonders gut für das OSIA-System?
Primar Prof. Dr. Fabian Sommer: Das Knochenleitungshörgerät OSIA ist sehr breit einsetzbar. Ausschlusskriterien sind unzureichende Knochendicke an der Implantations-Stelle und zu erwartende Wundheilungsstörungen bei bestimmten Vorerkrankungen, geschwächtem oder unterdrücktem Immunsystem. Wir empfehlen es vor allem, wenn ein konventionelles Hörgerät nicht funktioniert, also wenn der Schall nicht den natürlichen Weg durch den Gehörgang und das Mittelohr zum Innenohr nehmen kann. Sehr gut geeignet sind Patientinnen und Patienten mit eingeengtem oder nicht vorhandenem äußerem Gehörgang.
2. Wo sehen Sie die größten Vorteile im Alltag der Patientinnen und Patienten? Gibt es auch Nachteile?
Primar Prof. Dr. Fabian Sommer: Die größten Vorteile liegen in der Kommunikation und Anwendbarkeit. Das unter der Haut liegendes Implantat sorgt für eine sehr gute Verträglichkeit. Nachteile gibt es im Vergleich zu einem konventionellen Hörgerät keine – außer, dass im Falle einer Magnetresonanztomographie-Untersuchung (MRI) die Bildqualität in dem unmittelbar benachbarten Kopf-Bereich beeinträchtigt werden kann.
3. Wie geht es Ihrem ersten Patienten mit dem OSIA-Implantat?
Primar Prof. Dr. Fabian Sommer: Bei unserem ersten OSIA-Patienten wurde die Erstanpassung im Februar 2026 durchgeführt. Die Wundheilung ist gut verlaufen und er hört bereits jetzt deutlich besser als mit seinem konventionellen Knochenleitungshörgerät vor der Operation.
4. Wohin geht die Entwicklung? Was kommt als nächstes?
Primar Prof. Dr. Fabian Sommer: Bei implantierbaren Hörgeräten wie dem Cochlea-Implantat gibt es laufend Entwicklungen, die den Tragekomfort und die Anwendbarkeit weiter verbessern. Unser Ziel am LKH Feldkirch ist es, aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und Medizin nach dem modernsten Stand anzubieten.
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