Neurologie wächst zusammen
Bündelung im Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch bringt bessere Versorgung für Patient:innen sowie Entlastung für Mitarbeitende und Strukturen
Im Rahmen des Spitalscampus Vorarlberg wird die neurologische Versorgung in den kommenden Jahren Schritt für Schritt an einem Standort zusammengeführt. Am 2. März übersiedelt die erste Akutstation aus dem Landeskrankenhaus Rankweil in das Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch. Dort erhöhen nunmehr 24 zusätzliche Betten die Versorgungsqualität und schaffen für die Mitarbeitenden bessere Arbeitsbedingungen.
Die Neurologie ist die Lehre und Wissenschaft von Erkrankungen des Nervensystems. In der öffentlichen Wahrnehmung wird sie häufig mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Lähmungen sowie Sprach- oder Bewusstseinsstörungen verbunden. Dahinter stehen oft bekannte Krankheitsbilder wie etwa Schlaganfall, Epilepsie, Migräne, Parkinson, Meningitis, Multiple Sklerose oder neuromuskuläre Muskelerkrankungen. „Grundsätzlich geht es in der Neurologie um die Behandlung aller Erkrankungen, die mit dem Gehirn, dem Rückenmark, den Nerven und Muskeln zu tun haben“, erklärt der Neurologe Prim. Dr. Philipp Werner.
In Vorarlberg leistete die Abteilung für Neurologie am LKH Rankweil über Jahrzehnte die neurologische Patient:innenversorgung. Mit der Eröffnung des Instituts für Akutneurologie und Schlaganfall (IANS) am LKH Feldkirch im Jahr 2013 wurde zudem und gerade in Bezug auf die neurologische Akutversorgung des Landes ein Meilenstein gesetzt. So wurde mit dem IANS die erste auf die Behandlung von Patient:innen mit Schlaganfällen spezialisierte Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) des Landes eröffnet.
Nah an neurologischer Vollversorgung
In der Akutneurologie in Feldkirch werden neurologische Notfälle, insbesondere Patient:innen mit Schlaganfällen, Gehirnblutungen, Schädel-Hirn-Traumen, epileptischen Anfällen und sonstigen akuten Bewusstseinsstörungen behandelt. Seit Jahren etablierte Behandlungsmethoden wie die Thrombolysetherapie beim Schlaganfall stehen an der Tagesordnung. Erweitert wurden diese um die sogenannte Thrombektomie, einer der modernsten Methoden, im Rahmen derer Radiolog:innen mittels Gehirnkatheter Blutgerinnsel aus Gehirngefäßen mechanisch entfernen. „Bis auf spezielle neuro-interventionelle Behandlungen, für welche wir Patient:innen an die Uniklinik Innsbruck überweisen müssen, sind bei uns in Vorarlberg mehr oder weniger alle Therapien der Neurologie möglich“, berichtet Prim. Dr. Werner. „Dadurch sind wir schon nah an einer neurologischen Vollversorgung.“
Der Großteil der akuten Behandlungen erfolgt ambulant in der interdisziplinären Notfallambulanz. Dort wird je nach Krankheitsbild entschieden, ob die Patient:innen eine stationäre Behandlung benötigen und – wenn ja – am neurologischen Standort Rankweil oder Feldkirch aufgenommen werden. In Rankweil erfolgen in erster Linie Abklärungen und Behandlungen aller nicht-akuten neurologischen Erkrankungen. Außerdem werden hier Patient:innen weiterbehandelt, die einer neurologischen Nachsorge bedürfen (nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Rückenmarksverletzungen, Hirnhautentzündungen, Nervenentzündungen etc.).
Seit 2019 standortübergreifende Teamleitung
Die Weichen für die nunmehr in Gang gesetzte Zusammenlegung der beiden neurologischen Abteilungen im Land wurden bereits 2019 gestellt. Im Zuge der Neustrukturierung der stationären neurologischen Versorgung in Vorarlberg übernahm Prim. Dr. Werner zusätzlich zur Leitung des IANS auch die ärztliche Leitung der Abteilung für Neurologie am Standort Rankweil. Und aus seiner Sicht sprechen gute Gründe für die Bündelung der verfügbaren Ressourcen: „Unser Fachbereich entwickelt sich rasant weiter. In Rankweil verfügen wir nicht über dieselben Möglichkeiten wie in Feldkirch, die neurologische Versorgung ist daher nur eingeschränkt möglich.“ So werden Patient:innen zu Diagnosezwecken oder zur Durchführung gewisser Therapien im Krankentransport in das Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch und wieder zurückgebracht. Denn im LKH Feldkirch standen bisher lediglich auf der Stroke Unit sechs Betten für die stationäre Betreuung von akuten Schlaganfall-Patient:innen zur Verfügung, jedoch keine für andere neurologische Erkrankungen.
Vor diesem Hintergrund positioniert sich Prim. Dr. Werner eindeutig als Befürworter einer Zusammenlegung: „Zwei Standorte machen es auch notwendig, Strukturen doppelt aufrechtzuerhalten, was vor allem einen höheren Personaleinsatz erfordert.“ Er sei „sehr froh, dass im Rahmen der Umsetzung des Spitalscampus Vorarlberg nun der erste Schritt zur Verlagerung nach Feldkirch gesetzt worden ist.“
Erste Akutstation zieht um
Am 2. März wird mit der Akutstation N3 die erste von insgesamt sechs neurologischen Stationen am LKH Rankweil in das Schwerpunktkrankenhaus übersiedeln. Zum interdisziplinären Feldkircher Team gehören Ärzt:innen, Therapeut:innen aus Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie, EEG-Assistent:innen sowie speziell geschultes Krankenpflegepersonal. 24 zusätzliche Betten in Kombination mit der Expertise hochqualifizierter, akademisch ausgebildeter Pflegefachkräfte ermöglichen eine bessere Betreuung der Patient:innen und stärken die Versorgungsqualität. DGKP Thomas Huber und DGKP Corinna Reheis bilden gemeinsam das Stationsleitungsteam Pflege der Abteilung Neurologie im LKH Feldkirch und LKH Rankweil. Sie sehen in der Zusammenführung der Neurologie einen Gewinn für die Versorgung: „Ab März wird die Akutversorgung neurologischer Patient:innen vollständig an einem Standort gewährleistet.“ Dadurch verkürze sich auch die Wartezeit bis zur stationären Aufnahme. Der geschäftsführende Oberarzt der Neurologie, Dr. Benjamin Matosevic, weist ebenfalls auf neue Möglichkeiten hin: „Künftig können wir komplexe und vor allem akute Behandlungsfälle, die auf die in Feldkirch vorhandene Gesamtstruktur angewiesen sind, im Haus lassen.“ Untergebracht ist die neue Akutstation im dritten Obergeschoß des Mitteltraktes im LKH Feldkirch. Zur Verfügung stehen neben zehn Patient:innenzimmer auch Dienstzimmer, Büros, Untersuchungszimmer sowie Therapieräume.
Die zweite Akutstation (N2), die Nachsorgestationen N4 und N5 sowie die Überwachungsstation N7 werden vorerst in Rankweil bleiben, ebenso die allgemeine neurologische Ambulanz. Doch der Fahrplan für das weitere Zusammenwachsen der Neurologie steht bereits. Die kürzlich vorgestellten Pläne zur Umsetzung des Spitalscampus Vorarlberg am Schwerpunktkrankenhaus sehen vor, noch heuer die erforderlichen baulichen Maßnahmen zu planen und im kommenden Jahr mit den Umbauarbeiten zu beginnen. Ab 2029 sollen die zu verlagernden Abteilungen dann nach und nach einziehen.
Kurze Wege, umfassende Infrastruktur
Für Prim. Dr. Werner steht außer Frage, dass der bevorstehende Umbau und die anschließende Zusammenlegung aller neurologischen Einheiten in Feldkirch weitere Vorteile für die Versorgungsqualität bringen werden. Mit einem „großen Team“ an nurmehr einem Standort werde vieles einfacher: „Das bedeutet kurze Wege. Wir arbeiten Tür an Tür und können direkt auf modernste Infrastruktur für Diagnostik und Therapie zugreifen.“ Die Arbeitsweise wird sich für alle Berufsgruppen positiv verändern, ob in der Pflege, im Bereich der medizinisch-technischen Assistenz oder in der Medizin. Und: „Weniger Zeitdruck bedeutet letztlich mehr Zeit für unsere Patient:innen.“
Aus der aktuellen Übersiedlung weiß man aber auch, dass ein Standortwechsel personell anspruchsvoll ist. „Mitarbeitende werden auch Bedenken äußern. Unsere Aufgabe ist es, diese ernst zu nehmen, in persönlichen Gesprächen aufzufangen und den Sinn hinter der Entscheidung klar zu vermitteln“, erklärt der Abteilungsvorstand. Im Fall der Verlagerung der Abteilung N3 sei es gelungen, die Mitarbeitenden mit auf die Reise zu nehmen, unterstreicht auch das Stationsleitungsteam: „Alle wurden in den Entscheidungsprozess, ob sie ins LKH Feldkirch wechseln möchten, miteinbezogen. 80 Prozent des Rankweiler Teams waren bereit, neue Wege zu gehen. Zusätzlich konnten auch neue Mitarbeitende gewonnen werden.“ Eine offene, stetige Kommunikation seitens der Verantwortlichen beider Häuser von Beginn an habe Unsicherheit genommen. Und klar sei ohnehin: “Es sind die Menschen, die das Team und den Spirit ausmachen – nicht der Arbeitsort.“
Noch bis kommenden Mittwoch wird die Station N3 in Rankweil in Betrieb sein, ab Donnerstag wird sie unter dem neuen Namen „N1“ in Feldkirch geführt. Eine ganze Station in nur drei Monaten zu verlegen, bezeichnet Prim. Dr. Werner als große Herausforderung: „Mit dieser Leistung wir ein gutes Beispiel dafür, was zu schaffen ist, wenn alle an einem Strang zieht. Ich bin sehr, sehr stolz auf das gesamte Team.“ Das Stationsleitungsteam Pflege Huber und Reheis freuen sich schon, gemeinsam mit ihrem Team ihre Fachlichkeit im Schwerpunktkrankenhaus einzubringen – und neue Impulse in der neurologischen Pflege zu setzen.
Fact Box
Neurologie im Jahr 2024
| LKH Feldkirch IANS | LKH Rankweil Neurologie | |
| Betten | 6 (Stroke Unit) | 108 |
| stationär behandelte Patient:innen | 803 | 2.521 |
| durchschnittliche Verweildauer | 803 | 8,81 Tage |
| Belegstage | 2.252 | 22.220 |
| Ambulante Frequenzen | 3.843 | 3.222 |
| (Quelle: LKH Geschäftsbericht 2024 „Zusammen:wachsen“) |
Statements:
„Mit der Übersiedelung der ersten neurologischen Akutstation von Rankweil nach Feldkirch setzen wir den Spitalscampus Vorarlberg ganz konkret um: Die Neurologie ist mit der Schlaganfallversorgung und der Stroke Unit in Feldkirch eine zentrale Säule unserer Gesundheitsversorgung. Durch die Bündelung am Schwerpunktkrankenhaus können Teams, Infrastruktur und die hohe fachliche Expertise noch besser zusammenwirken – zum Vorteil der Patientinnen und Patienten. Die Aufteilung von Abteilungen an mehreren Standorten bedeutet immer zusätzlichen Aufwand, dem wir mit einer Entflechtung der Strukturen bewusst entgegenwirken. Mein Dank gilt dem gesamten Team – in Feldkirch und in Rankweil – das diese räumlichen Veränderungen und die damit einhergehenden Mehrbelastungen mit großem Engagement trägt.“
Martina Rüscher, MBA MSc / Gesundheitslandesrätin
„Vorarlberg muss schon rein topographisch in vielen medizinischen Bereichen eine Grundautarkie vorhalten. Im Bereich der Neurologie auch als Akutfach stehen wir vor großen Herausforderungen, die wir dank einem hervorragenden interprofessionellen Team der Neurologie gut meistern.“
Dir. Dr. Gerald Fleisch & Dir. Priv.-Doz. Dr. Peter Fraunberger / Geschäftsführer VLKH
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