Neue Therapiemöglichkeit bei Alzheimer Demenz 18.02.2026
Team der IAB am LKH Rankweil Vorreiter bei innovativer ambulanter Behandlung
Es hat sich einiges in Bewegung gesetzt, seit Ende 2024 mit der Einrichtung der Interdisziplinären Ambulanten Betreuung, kurz IAB (Link: Medieninfo zur Eröffnung), am Landeskrankenhaus Rankweil eine Lücke im ambulanten Versorgungssystem geschlossen worden ist. Als Teil der ganzheitlichen Therapie ist dieses Angebot an Patient:innen mit komplexen psychiatrischen Erkrankungen gerichtet und wird interdisziplinär und tagesklinisch umgesetzt. Im Zentrum steht die Anwendung sowohl bewährter als auch innovativer neurobiologischer Therapieverfahren – zu letzterem zählt ganz aktuell die Anwendung eines neuen Medikaments für bestimmte Alzheimer-Patient:innen: Seit September 2025 sind monoklonale Antiköper zur Behandlung der Alzheimer Demenz zugelassen. Das LKH Rankweil ist als zweite österreichische Einrichtung bei der Therapieanwendung ganz vorne mit dabei.
Die Antikörper (Lecanemab und Donanemab) sind gegen „Beta-Amyloid“-Ablagerungen, sogenannte Amyloid-Plaques, im Gehirn gerichtet. Diese Ablagerungen gelten als ein zentraler Mechanismus bei der Entstehung der Erkrankung und stehen im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen und geistigen Fähigkeiten. Monoklonale Antikörper können die Plaques auflösen. Die Alzheimer-Erkrankung wird dadurch zwar nicht geheilt, der Krankheitsverlauf aber verändert und verlangsamt. Eine erste Bilanz über mögliche Therapieerfolge der ersten elf Patient:innen am LKH Rankweil werden für März 2026 erwartet.
Versorgung mit Fokus auf biologischen Therapien
Das Modell der IAB am LKH Rankweil vereint – ganz im Sinne des Spitalscampus und seiner Bündelung der Fachkompetenzen – Erwachsenen- und Gerontopsychiatrie in einer multiprofessionellen und ambulanten Struktur. Der Fokus liegt auf psychosozialen und neurobiologisch fundierten Therapiestrategien. Die IAB hat damit die Möglichkeit, auf neueste wissenschaftliche Entwicklungen rasch zu reagieren.
Die medizinische Betreuung der Patient:innen erfolgt in enger Abstimmung mit einem spezialisierten Pflegeteam aus beiden Fachrichtungen. Prim.a Dr. Bettina Grager, MSc, (Gerontopsychiatrie) zeichnet gemeinsam mit Chefarzt Prim. Dr. Jan Di Pauli (Erwachsenenpsychiatrie) und DGKP Thomas Fetz, MSc, dem stellvertretenden Pflegedirektor am LKH Rankweil, für die Konzeptionierung und Weiterentwicklung der IAB verantwortlich. Das ärztliche IAB-Team aus Assistenz-Ärzt:innen beider psychiatrischer Abteilungen und Dr. Alma Sakic (Neurologin) wird oberärztlich von Dr. Violeta Staeva, einer erfahrenen Neurologin der Erwachsenenpsychiatrie, geleitet. Zielgruppe sind insbesondere Menschen mit affektiven, psychotischen und neurodegenerativen Erkrankungen. Alzheimer Demenz reiht sich in die Gruppe der neurodegenerativen Erkrankungen ein.
Ausgewählte Patient:innen mit leichter Form
Ein Schwerpunkt der IAB ist die ambulante Anwendung krankheitsmodifizierender Therapien bei Morbus Alzheimer. In Vorarlberg dürften von den schätzungsweise rund 470 bis 490 Menschen, die jährlich erstmals mit einer Demenzerkrankungen konfrontiert sind, zwischen 280 und 300 an Alzheimer Demenz leiden. Diese Zahl deckt sich mit den Erfahrungen in Rankweil. „In unsere Ambulanz kommen rund 90 Patient:innen pro Jahr in jenem frühen Stadium, in dem eine Behandlung mit monoklonalen Antikörpern in Frage kommt“, erklärt Prim.a Dr. Bettina Grager. Die Therapie mit monoklonalen Antikörpern ist eine Behandlungsform, die für eine kleine, ausgesuchte Patientengruppe in Frage kommt. Es sind dies Patient:innen mit leichter Alzheimer Demenz oder „Mild Cognitive Impairment“ (MCI), einer Demenzvorstufe, „also, wenn bereits Amyloid-Ablagerungen im Gehirn nachgewiesen sind, die Betroffenen aber noch selbständig sind“. Patient:innen mit mittelgradiger Demenz oder medizinischen Ausschlusskriterien für die Antikörper-Behandlung werden – wie bisher auch – mit den herkömmlichen Antidementiva behandelt.
Aktuell werden am LKH Rankweil elf Alzheimer-Patient:innen mit dem neuen Medikament behandelt. „Es handelt sich um einen komplett neuen Behandlungsansatz. Momentan wird auf diesem Gebiet viel geforscht. Weitere neue, ebenfalls sehr interessante Therapiemethoden stehen vor der Einführung und machen in den kommenden ein, zwei Jahren zusätzliche Behandlungsverfahren möglich“, macht die Expertin Mut. „Und wir wollen für unsere Patientinnen und Patienten immer am neuesten Stand sein.“
Sorgfältige fachliche und persönliche Begleitung
Die Behandlung erfolgt als regelmäßige intravenöse Infusion und erfordert engmaschige medizinische Begleitung. Vereinfacht erklärt, erkennen monoklonale Antikörper spezifische Formen von Amyloid-Beta und markieren diese für das Immunsystem. Dadurch können die schädlichen Eiweißablagerungen nach und nach abgebaut werden. Wirkstoffe, die auf diesen Antikörpern basieren, erkennt man der Endung „-mab“. „Patient:innen, die für Lecanemab geeignet sind, bekommen alle 14 Tage eine Infusion, Donanemab wird einmal pro Monat verabreicht.“ Das Team der IAB begleitet die Patient:innen und organisiert den ambulanten Behandlungsprozess: „In regelmäßigen Intervallen wird beispielsweise der gesundheitliche Fortschritt im MRT kontrolliert, auch mögliche Nebenwirkungen können dadurch zuverlässig ausgeschlossen werden. Unsere Psychologin führt zusätzliche kognitive Überprüfungen und Evaluierungen durch.“ Die ersten psychologischen Kontrollen erfolgen nach sechs Monaten. Die ersten Aussagen über mögliche Therapieerfolge werden damit für März 2026 erwartet.
„Wir erleben auch von Seite unserer Patientinnen und Patienten große Motivation. Sie kennen einander, nehmen Anteil an den jeweiligen Schicksalen und beeinflussen sich gegenseitig sehr positiv. An den Behandlungstagen herrscht gute Stimmung in der IAB“, blickt das Team hoffnungsfroh in die Zukunft. Durch das konstante Behandlungsteam profitieren Patient:innen und Mitarbeiter:innen gleichermaßen: „Wir haben die Sicherheit, mit Wirkung und Nebenwirkung umgehen zu können, was sich auch auf unsere Patientinnen und Patienten positiv auswirkt. Die Diagnostik, Aufklärung und Behandlung ist zwar sehr zeitintensiv, führt aber auch dazu, dass wir die Patientinnen und Patienten sehr gut kennenlernen und dadurch eine tragfähige Beziehung entsteht, die für die Behandlung sehr wertvoll ist.“
Alzheimer-Board gemeinsam mit Gedächtnisambulanz
Die Verabreichung von monoklonalen Antikörpern erfordert zunächst eine exakte Diagnosesicherung. Der Befund wird – nach ausführlicher Anamnese mit Patient:innen und Angehörigen, Bildgebung und psychologischer Testung – mittels Amyloid-PET oder Liquor-Biomarker erstellt. Engmaschige Verlaufskontrollen während der Antikörpertherapie sichern einen bestmöglichen Verlauf. Patient:innen mit Morbus Alzheimer, die für eine Behandlung mit dem neuen Medikament in Frage kommen, werden in Kooperation mit der „Gedächtnisambulanz“ des LKH Rankweil betreut. Diese Ambulanz unter der Leitung von Dr. Balázs Szántó (Psychiater) in Zusammenarbeit mit Dr. Vincent Verocai (Neurologe), Assistenz-Ärzt:innen der Gerontopsychiatrie und Klara Rhomberg MSc, MSc (Psychologin) fungiert als „diagnostisches Rückgrat“ bei demenziellen Erkrankungen. Sie ist spezialisiert auf neurokognitive Testdiagnostik, Bildgebung sowie Biomarkeranalyse.
Gemeinsam mit der IAB ist ein „Alzheimer-Board“ – ähnlich dem bekannten „Tumorboard“ – eingerichtet worden, in dem das diagnostisch-therapeutische Vorgehen bei individualisierten Therapieentscheidungen regelmäßig besprochen wird. Auch potenzielle Kandidat:innen für eine monoklonale Antikörpertherapie werden in diesem wöchentlichen Alzheimer-Board vorgestellt. Die enge Verzahnung mit der Gedächtnisambulanz stellt dabei ein Alleinstellungsmerkmal dar und positioniert die IAB als Vorreiterin im Bereich ambulanter psychiatrischer Versorgung.
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