4. Vorarlberger Notfallsymposium erörtert Herausforderungen, Trends und Perspektiven 27.05.2026
Am 30. Mai 2026 findet anlässlich des heutigen „Internationalen Tages der Notfallmedizin“ (27.05.) das mittlerweile 4. Vorarlberger Notfallsymposium im Landeskrankenhaus Feldkirch statt: Die Veranstaltung richtet sich an medizinisches Fachpersonal und greift heuer thematisch unter anderem auch den aktuellen Strukturwandel sowohl im innerklinischen als auch im Ausbildungs-Bereich auf. Zudem bietet das Symposium Einblicke in die moderne fachliche, interprofessionelle Notfallversorgung im Land. Am Podium vertreten sind nicht nur Expert:innen der Notfallpflege und des spitalsärztlichen Bereichs, sondern auch des Rotes Kreuzes und des Medizinischen Zentrallabors.
Grundgedanke war und ist aus Organisatoren-Sicht einerseits ein Fachsymposium für medizinisches Fachpersonal sowie eine Möglichkeit zur Vernetzung und zu fachlichem Austausch zu bieten. „Andererseits verfolgen wir auch das zunehmend wichtige Ziel der allgemeinen Sensibilisierung, der Gesellschafts- und Gesundheitsbildung. Die Veranstaltung soll auf die herausragenden Fähigkeiten, aber auch zunehmenden Herausforderungen der Notfallversorgung hinweisen“, erklärt Organisator Matthias Hellmair, MBA. Der Stationsleiter der interdisziplinäre Notaufnahme iNA am LKH Feldkirch darf sich auch heuer wieder auf eine restlos ausgebuchte Veranstaltung freuen.
Mehr Entscheidungskompetenz für Notfallpflege
Matthias Hellmair legt bei der Programmplanung großen Wert darauf, alle an der Notfallversorgung beteiligten Einrichtungen miteinzubeziehen: „Auch deshalb freuen wir uns wieder auf Kolleg:innen in Ausbildung, aus den Rettungsdiensten, auf Ärzt:innen aus dem niedergelassenen Bereich sowie auf Pflege-Kolleg:innen und Mediziner:innen aus sämtlichen Vorarlberger Krankenhäusern.“
Eine der Vortragenden ist DGKP Rebecca Tschann. Als Notfallpflegerin in der Feldkircher iNA kennt sie nicht nur die gesetzlichen, sondern auch die praktischen Auswirkungen der Neuerungen im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz und wird über einzelne davon berichten: „Vor wenigen Jahren hat sich die Kompetenzregelung in der österreichischen Pflege zwar deutlich weiterentwickelt“, erklärt Rebecca Tschann. „Für die angepasste Qualifizierung einer Notfallpflege fehlt in Österreich derzeit allerdings noch eine gesetzliche Grundlage. Wir freuen uns aber über aktuelle Bestrebungen und blicken zuversichtlich in Richtung einer baldigen Weiterentwicklung, um damit den anspruchsvollen und rasch wachsenden Anforderungen an die Notfallpflege gerecht zu werden.“
Daher bemühen sich die bundesweiten Vertreter:innen der Notfallpflege – derzeit unter der Leitung von Matthias Hellmair, MBA – um eine Bündelung und Erweiterung der Kompetenzen in einem eigenen, spezialisierten Ausbildungspfad für diesen Bereich. „Am LKH Feldkirch habe wir einzelne Kompetenzerweiterungen zum Beispiel im Sinne einer raschen Schmerzbehandlung für unsere Patient:innen bereits im Regelbetrieb integriert“, spricht Rebecca Tschann ihr Vortragsthema im Notfallsymposium an. „Und nach dem Vorbild etwa der Anästhesie- und Intensivpflege sollen die fachspezifischen Kompetenzerweiterungen zukünftig ebenfalls in einer eigenen Sonderausbildung verankert werden. Gerade im Sinne des Spitalscampus Vorarlberg und den damit einhergehenden Zentralisierungsbestrebungen könnte das eine logische Konsequenz sein“, ist die diplomierte Notfallpflegerin überzeugt.
Tragende Rolle im Manchester Triage System
In einem wichtigen, ersten Schritt auf diesem Weg liefert nun das adaptierte Gesundheits- und Krankenpflegegesetz Kompetenzerweiterungen durch diverse Formen der zusätzlichen Weiterbildung. Und schon jetzt entwickelt sich vor allem der Bereich der Notfallpflege mehr und mehr von einer längst nicht mehr ausschließlich assistierenden Rolle hin zu einer eigenständig handelnden, hochspezialisierten Akutdisziplin, insbesondere in der Triage und Erstversorgung. Rebecca Tschann arbeitet seit vier Jahren in der iNA und hat rückblickend „eine sehr gute Etablierung dieser noch jungen Form der Notaufnahme erlebt. Von Beginn an ist hier dem Pflegebereich ein hoher Stellenwert, eine tragende Rolle zugekommen. Als durchgehend konstant anwesende Berufsgruppe koordinieren wir in der Notfallpflege die Abläufe, schätzen als erste Instanz die Dringlichkeit im Behandlungsverlauf unserer Patientinnen und Patienten ein, sind an Erstdiagnostik und anschließender Therapie maßgeblich beteiligt“, erklärt sie. Merkliche, qualitative Veränderungen haben sich ihrer Meinung nach vor allem in neuen Möglichkeiten zum Erwerb von Zusatzkompetenzen im Bereich des Manchester Triage Systems gezeigt: „Hier geht es um die Einschätzung der Dringlichkeit, mit der akut eintreffende Patientinnen und Patienten behandelt werden müssen. Ein routiniertes Priorisieren, was im ersten Moment wichtig ist, und was warten kann, gehört zu meinen Hauptaufgaben.“
Neu dazugekommen ist die Umsetzung des sogenannten Pflege initiierten Schmerzmanagements. „Wir können damit selbständig eine Schmerzmittelgabe einleiten, darüber werde ich beim Notfallsymposium auch in meinem Vortrag berichten: Hier gibt es nun ganz klare, nach einer Leitlinie standardisierte Voraussetzungen, wann ich wem bestimmte Medikament verabreichen darf. Das erleichtert sowohl den Workflow im Team als auch den Handlungsspielraum im Akutfall und verschafft den Patientinnen und Patienten deutlich raschere Schmerzlinderung.“
„Ohne einander geht es nicht“
Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe insbesondere zwischen Ärzt:innen und Pflegefachkräften sieht Rebecca Tschann gerade in einer Notfallambulanz als wesentliche Grundlage. „Ohne einander geht es nicht“, bekräftigt auch ein weiterer Vortragender des Notfallsymposiums, Prim. Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher, Chefarzt am LKH Bludenz sowie Abteilungsvorstand der dortigen Abteilung für Innere Medizin und Notaufnahme: „Die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen funktioniert gerade am LKH Bludenz im Akutbereich sehr gut“, lobt der Chefarzt. Anfang Mai 2026 wurden hier alle Fachbereiche zu einer interdisziplinären Notfallambulanz zusammengeschlossen (bzw. zu einer „zentralen ambulanten Erstversorgungseinheit“, wie es der „Österreichische Strukturplan Gesundheit“ ÖSG nennt): Ein gemeinsames Pflegeteam versorgt mit den jeweils zuständigen Fachärzt:innen alle Patient:innen, die ohne Termin das Krankenhaus Bludenz aufsuchen. „Die Notfallversorgung ist in Bludenz aber schon lange vorher abteilungsübergreifend zusammengewachsen. Vor allem die Pflegekräfte der am häufigsten bei Notfällen involvierten Fachbereiche kennen sich im Akutsetting sehr gut aus und bringen viel Erfahrung im gemeinsamen Arbeiten mit. Gerade in einer Notaufnahme muss man fachüberschreitend denken und handeln können, entsprechend breites Wissen und Erfahrung vorausgesetzt.“ Regelmäßige Schockraumtrainings sowie EKG- und Wiederbelebungs-Schulungen mit internen, eigens dafür qualifizierten Lehrbeauftragten sind Pflicht.
Ähnlich wie im Pflegebereich wird auch im ärztlichen Bereich der Ruf nach einer eigenständigen Fachdisziplin für den akuten Notfall immer lauter: „In vielen Ländern der Welt hat sich das bereits etabliert. In Österreich gibt es aber auch im ärztlichen Bereich seit dem vergangenen Jahr zumindest eine zusätzliche Möglichkeit zur Qualifizierung, nämlich eine Spezialisierung für Klinische Akut- und Notfallmedizin“, ist der Primar zuversichtlich und erklärt den dadurch klaren, effektiven Ablauf: „Die Notfallpflege entscheidet die Dringlichkeit und setzt erste Maßnahmen. Die Notfallmedizinerinnen und -mediziner übernehmen nach Diagnosestellung die Erstversorgung und veranlassen die fachgerechte Übernahme durch Spezialistinnen und Spezialisten je nach Verletzung und Krankheitsbild.“
Nicht jeder Fall ist ein Notfall
Wichtige Schnittstelle zwischen Patient:innen und Notaufnahme im Spital sind Notärzt:innen, Rettungskräfte der Blaulichtorganisationen und der niedergelassene Bereich. Primar Dr. Süssenbacher wird nicht müde, zu betonen: „Die allermeisten unserer Kolleginnen und Kolleginnen in den Praxen überweisen dankenswerterweise den Patienten mit sechs Monate alten Knieschmerzen oder eine Patientin mit chronischem Gallensteinleiden nicht in die Notaufnahme, sondern an extramurale Fachkolleginnen und -kollegen bzw. an die Terminambulanz des jeweiligen Fachbereiches im Spital, wenn ein Eingriff ansteht.“ Dieses Vorgehen ist der Idealfall, denn die Notaufnahme ist einzig und allein für Notfälle vorgesehen.
„Natürlich sehen wir uns alle Menschen an, die zu uns kommen und Hilfe suchen, – auch jene, die sich selbst überwiesen haben. Aber nicht jeder Fall ist auch tatsächlich ein Notfall. Steigende Zahlen an Menschen, die eigentlich nicht in die Notaufnahme gehören und damit auch längere Wartezeiten für alle verursachen, sind leider auch bei uns am LKH Bludenz die Folge“, appelliert der Mediziner ans kollektive Verantwortungsbewusstsein. Immerhin fast die Hälfte der Patient:innen, die in die Notaufnahme kommen oder zugewiesen werden, stellen sich im Rahmen der Ersteinschätzung als keine Notfälle heraus, sondern wären bei ihren Hausärzt:innen als erste Anlaufstelle besser aufgehoben.
Statements:
„Eine moderne und leistungsfähige Notfallversorgung braucht bestens ausgebildete Fachkräfte, starke interprofessionelle Zusammenarbeit und laufende Weiterentwicklung. Das Vorarlberger Notfallsymposium schafft dafür einen wichtigen Rahmen für Austausch, Vernetzung und neue Impulse. Mein besonderer Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen, die sich täglich mit hoher Kompetenz und großem Engagement für die Versorgung der Menschen in Vorarlberg einsetzen.“
Martina Rüscher, MBA MSc / Gesundheitslandesrätin
„Das Vorarlberger Notfallsymposium im LKH Feldkirch hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Plattform für fachlichen Austausch, interprofessionelle Vernetzung und aktuelle Entwicklungen in der Notfallmedizin entwickelt. Besonders hervorzuheben ist das große Engagement der Organisatorinnen und Organisatoren rund um Matthias Hellmair, MBA, die mit viel Einsatz ein hochkarätiges und zugleich praxisnahes Format geschaffen haben. Dass die Veranstaltung bereits zum vierten Mal restlos ausgebucht ist, zeigt den hohen Stellenwert und die Relevanz dieses Angebots. Unser Dank gilt allen Beteiligten, die mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrer täglichen Arbeit einen unverzichtbaren Beitrag zur bestmöglichen Notfallversorgung der Bevölkerung leisten.“
Dr. Gerald Fleisch und Priv.-Doz. Dr. Peter Fraunberger, Geschäftsführer VLKH
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