Innovative Dermatoskopie am LKH Feldkirch 14.01.2026
Künstliche Intelligenz hilft beim Erkennen von schwarzem Hautkrebs
In Vorarlberg waren in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 80 und 100 Menschen mit der Erstdiagnose „Melanom“, also schwarzer Hautkrebs, konfrontiert. Ihre Zahl ist im Steigen begriffen: im Jahr 2019 waren es noch 55 Neudiagnosen im Land. „Es macht sich hier vor allem auch ein zunehmendes Bewusstsein für die Effizienz von rascher Behandlung und entsprechender medizinischer Vorsorge bemerkbar“, erklärt Prim.a Dr. Nina Häring, MBA, Leiterin der Abteilung „Dermatologie und Venerologie“ am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch. Es gilt, Hautkrebs frühzeitig zu erkennen, um entsprechend handeln zu können. Die fachliche Kompetenz ihres Teams wird dabei zunehmend auch von künstlicher Intelligenz unterstützt: Seit Oktober 2025 arbeiten die Expert:innen etwa mit KI-gestützter Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie), einer speziellen Art der dermatoskopischen Bildgebung.
Wichtigstes Untersuchungswerkzeug der Dermatolog:innen dabei ist und bleibt dabei das Hand-Dermatoskop, durch das Muttermale mit deren Pigmentnetz und Begrenzung in stark vergrößerter Form sichtbar werden. Neu ist nun: Künstliche Intelligenz unterstützt die Expert:innen dabei, diese Aufnahmen in digitaler Form zu bewerten und die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Veränderung zu berechnen.
KI-Unterstützung macht Abklärung noch sicherer
Prinzipiell unterscheiden Hautärzt:innen zwei große Gruppen von Hautkrebs: nämlich „schwarzer Hautkrebs“ und „weißer Hautkrebs“. Letzterer ist weniger bösartig und wird hauptsächlich durch die Sonnenbestrahlung ausgelöst, der ein Mensch von Kindesbeinen an ausgesetzt ist. Schwarzer Hautkrebs ist weitaus gefährlicher, er kann sich im Körper ausbreiten und Metastasen bilden. Umso wichtiger ist es, sein Aussehen in all seinen Variationen zu erkennen, um rechtzeitig handeln zu können. Denn auch in der Dermatologie gilt: Hauttumore sind durch frühzeitige operative Eingriffe eher heilbar bzw. gut in Schach zu halten.
Der neue „Foto-Finder“ in der „Dermatologie und Venerologie“ am LKH Feldkirch liefert nun für die Dermatoskopie nicht nur hochauflösende Bilder, im Hintergrund rastert zudem ein KI-basiertes Programm die Aufnahme automatisch nach Auffälligkeiten ab: „Die KI arbeitet hier mit Mustererkennung. Sie ist mit Millionen von Bilddateien gefüttert, die sie blitzschnell vergleicht“, erklärt Primaria Dr. Häring. „Das Programm hat gelernt, wie ein gesundes Muttermal aussehen darf und bei welchen Abweichungen Vorsicht geboten ist. Mit jedem Bild, das wir machen, lernt das Programm dazu.“ Ziel ist es, Melanome noch früher zu finden, also noch in einem Stadium mit einer geringeren Tumordicke: „Denn je dicker das Melanom ist, desto eher finden Absiedelungen in Lymphknoten und andere Organe statt. Die Verläufe bei schwarzem Hautkrebs sind nicht zu unterschätzen und können längerfristige Immuntherapien zur Folge haben. Allerdings sind die wirklich dicken Melanome hierzulande – auch dank der immer besser werdenden Hautvorsorge-Mentalität in der Bevölkerung – viel seltener geworden.“
Menschliche Beurteilung bleibt im Vordergrund
Wichtig bei alldem: Künstliche Intelligenz in der Dermatoskopie ist nicht in der Lage, eine Diagnose zu stellen. Das ist und bleibt ausschließlich der menschlichen Kompetenz vorbehalten. Aber sie kann mit Wahrscheinlichkeitsangaben darauf hinweisen, ob ein Muttermal eher gutartig oder verdächtig ist.
Vor allem in Grenzfällen liefert die KI-gestützte Dermatoskopie wichtige Hinweise und kann das Zünglein an der Waage sein. „Abklärung und Vorsorge werden damit noch sicherer, diese Geräte sind mittlerweile sehr ausgereift“, betont Prim.a Dr. Nina Häring, MBA. „Die Letztbeurteilung treffen allerdings nach wie vor wir Dermatolog:innen, genauso wie dann im Behandlungs- bzw. Aufklärungsgespräch mit den Patientinnen und Patienten im Anschluss die weitere Vorgehensweise gestaltet wird.“
Auch die Patient:innen selbst sind damit keineswegs aus der Selbstverantwortung entlassen. Trotz KI-Unterstützung bleibt der Gang zur Vorsorgeuntersuchung bei Hausärzt:innen und Dermatolog:innen im niedergelassenen Bereich – gerade bei Risikogruppen – eines der wichtigen Instrumente, die eigene Gesundheit zu unterstützen und zu fördern.
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