Anspruchsvolles Szenario mit zahlreichen Beteiligten 18.04.2026
Ein komplexes und forderndes Einsatzszenario stand im Mittelpunkt einer groß angelegten Unfallübung am Samstag, den 18. April 2026. Das Rote Kreuz Vorarlberg und das LKH Bregenz trainierten gemeinsam weiteren Institutionen sowie rund 80 Statist:innen das koordinierte Vorgehen bei einem schweren Verkehrsunfall mit zahlreichen Verletzten. Schauplätze waren die Gütlestraße in Dornbirn sowie das LKH Bregenz.
An der Übung beteiligt waren neben Rotem Kreuz und LKH Bregenz auch Feuerwehr inklusive Drohnengruppe, Bergrettung, Wasserrettung und das Kriseninterventionsteam (KIT). Ziel war es, die Zusammenarbeit der Organisationen unter realitätsnahen Bedingungen zu stärken und Abläufe im Ernstfall zu optimieren.
Dramatisches Unfallszenario
Ausgangspunkt der Übung war eine Alarmierung um 10:09 Uhr. Aufgrund der rasch erkannten Lage wurde bereits kurze Zeit später eine Nachalarmierung zusätzlicher Kräfte ausgelöst. Das Szenario: Ein mit 40 Schüler:innen besetzter Schulbus kollidiert frontal auf der Gütlestraße auf Höhe des Waldbads Enz mit einem entgegenkommenden Pkw, der mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs ist.
Durch die enorme Wucht des Aufpralls überschlägt sich der Pkw mehrfach und kommt schließlich am Waldrand auf dem Dach zum Liegen. Der Fahrer wird eingeklemmt, ein weiterer Insasse auf der Rückbank eingeschlossen. Zwei weitere Fahrzeuginsassen werden aus dem Fahrzeug geschleudert und bleiben schwer verletzt im steilen Gelände sowie teilweise im Wasser liegen.
Auch im Schulbus herrscht Chaos: In Panik flüchten mehrere Schüler:innen in den umliegenden Wald. Einige von ihnen verletzen sich dabei und bleiben hilflos zurück. Andere rutschen ab und geraten ins Wasser, wo sie ohne Hilfe nicht mehr ans Ufer gelangen können. Besonders dramatisch gestaltet sich die Lage eines Schülers, der von einem Wasserstrudel erfasst wird, ertrinkt und reglos im Wasser treibt.
Sekundärunfall verschärft Lage
Zusätzliche Brisanz erhält das Szenario durch einen weiteren Unfall: Ein nachfolgender Pkw-Lenker übersieht die Unfallstelle sowie Ersthelfer:innen und verreißt das Fahrzeug. Der Wagen überschlägt sich und erfasst mehrere Mitglieder einer Wandergruppe, die Erste Hilfe leisten wollten. Im Fahrzeug selbst werden drei Personen eingeschlossen, jedoch nicht eingeklemmt.
Koordinierte Rettung unter schwierigen Bedingungen
Die Einsatzkräfte standen vor einer Vielzahl an Herausforderungen: Menschenrettung aus Fahrzeugen, Suche nach vermissten Schüler:innen im Wald, Bergung von Verletzten aus unwegsamem Gelände sowie Rettungsmaßnahmen im Wasser. Parallel dazu mussten Angehörige, die eigenständig zum Unfallort geeilt waren, betreut und koordiniert werden.
Die Verletzten wurden nach der Erstversorgung strukturiert abtransportiert und in das Landeskrankenhaus Bregenz gebracht. Gleichzeitig kümmerte sich das Kriseninterventionsteam um die psychologische Betreuung der Betroffenen.
Optimale Patientenübergabe und -versorgung am LKH Bregenz
Unmittelbar nachdem die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle RFL den Katastrophenalarm für das Landeskrankenhaus Bregenz ausgelöst hatte, waren die dortigen Mitarbeiter:innen kurzfristig mit 36 sukzessive eintreffenden teils schwer Verletzten konfrontiert – zusätzlich zum laufenden Spitalsbetrieb, der davon unbeeinträchtigt weiterlief. Damit so ein Großereignis bewältigt werden kann, wird über den Alarmserver mit seinen über 600 LKH-Bregenz-Notfallkontakten sowie über direkte Telefonanrufe hauseigenes Personal kontaktiert. Damit kann zusätzliche Unterstützung – auch im Sinne einer Nach-Anforderung – rasch in die Wege geleitet werden.
In der Zwischenzeit bauen Mitarbeiter:innen, die sich aktuell im Dienst befinden, die für solche Situationen vordefinierten Grundstrukturen im Spital auf. Damit wird gewährleistet, dass eine so große Zahl an Patient:innen geordnet versorgt werden kann. Das sich im Regeldienst befindliche Spitalspersonal wurde für diese spezielle Übung um rund 100 Mitarbeitende aufgestockt.
Die Verletzten wurden per Rettungswagen und in einem Fall auch über den Heliport ins Spital gebracht. Die Rettungshalle diente während dieser Zeit als Triage-Bereich. Die ankommenden Patient:innen wurden – je nach Verletzung – vom Fachpersonal in die dafür vorgesehenen Behandlungsbereiche übernommen und behandelt.
Positives Fazit der Übungsleitungen
Am Ende der dreistündigen Übung zogen die Verantwortlichen mit Übungsverantwortlichen Julian Illigasch von der Abteilung Dornbirn ein positives Fazit. Besonders hervorgehoben wurden die reibungslose Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen sowie die effiziente Kommunikation über die einheitliche digitale Funkinfrastruktur.
Die LKH-Übungsleitung zeigte sich zufrieden: „Eine sorgfältig koordinierte Übung dieser Größenordnung zwischen präklinischer und klinischer Versorgung ist ein wichtiger, realitätsnaher Stress-Test für unsere Mitarbeiter:innen und Notfallstrukturen. Der Organisationsaufwand für unser Projektteam hat sich gelohnt: Die vorgesehenen Strukturen funktionieren reibungslos, zudem konnten wir wieder wertvolle Inputs für die Feinjustierung unserer Abläufe mitnehmen“, bilanziert Übungsleiter OA Dr. Jörg Speier.
Auch vonseiten des Roten Kreuzes konnte zufrieden Bilanz gezogen werden: „Die Übung hat gezeigt, dass auch bei äußerst komplexen Schadenslagen ein koordiniertes und professionelles Vorgehen gewährleistet ist. Mit derartigen Großübungen stellt das Rote Kreuz Vorarlberg sicher, dass Einsatzkräfte bestmöglich auf den Ernstfall vorbereitet sind – auch wenn die Hoffnung bleibt, dass ein solches Szenario niemals Realität wird“, so Landesrettungskommandant Gerhard Kräutler, der das Übungsgeschehen interessiert beobachtet hatte.
FACTBOX:
Beteiligte Organisationen:
- Rotes Kreuz Vorarlberg: Abteilung Dornbirn, Bregenz, Lustenau, Hohenems, Bregenzerwald und Feldkirch mit Beteiligung der Schnelleinsatzgruppen aus Dornbirn, Bregenzerwald, Lustenau, Hohenems und Feldkirch, das Führungsunterstützungsfahrzeug aus Hohenems sowie der Leitenden Notarztgruppe und der Realistischen-Notfalldarstellungs-Gruppe mit insgesamt 110 Einsatzkräften
- Feuerwehr Dornbirn samt Drohnengruppe mit bis zu 25 Einsatzkräften
- Bergrettung Dornbirn mit bis zu 20 Einsatzkräften
- Wasserrettung Dornbirn mit bis zu 20 Einsatzkräften
- Kriseninterventionsteam (KIT) mit 11 Kräften
- Landeskrankenhaus Bregenz
Statisten:
80 verletzte Personen – davon 36 mit Abtransport ins LKH Bregenz, ein Verstorbener
Versorgung am LKH Bregenz:
- Beteiligte Abteilungen: sämtliche operative / konservative / pädiatrische Fachbereiche, Verwaltungsdirektion, Personal von Sonderfunktionsbereichen, Normalstationen, Transportdienst, Labor, Apotheke, Küche usw.
- Spitalsinterne Inbetriebnahme von Medizinischer Einsatzleitung (MEL) und Klinischen Einsatzleitung/Krisenstab (KEL)
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