Für einen guten Start ins Leben: Stärkung der Geburtshilfe im LKH Feldkirch 21.04.2026
Die Zusammenführung der Geburtshilfe im Oberland am Standort Feldkirch bedeutet für Frauen aus dem Raum Bludenz einen massiven Qualitätsgewinn. Das erfahrene interdisziplinäre Team verbindet persönliche Betreuung mit medizinischer Versorgung auf höchstem Niveau. Mit den neu geschaffenen Räumlichkeiten für die Still- und Schwangerenambulanz sowie auf der Mutter-Kind Station, wächst das Angebot für eine umfassende Betreuung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett weiter.
Die Geburtshilfe nimmt im Krankenhaus einen besonderen Platz ein. Hier beginnt neues Leben – ein zutiefst prägender Moment für Familien, der menschliche Nähe, Erfahrung und Vertrauen erfordert und zugleich ein Höchstmaß an medizinischer Sicherheit voraussetzt. Im Landeskrankenhaus Feldkirch bilden die Stärkung und der Ausbau der Geburtshilfe einen fortlaufenden Prozess. Einen Meilenstein markierte diesbezüglich der Neubau der Entbindungsräumlichkeiten im Sommer 2020. Geburtshilfe und Kinderintensivmedizin liegen seither Tür an Tür. Die daraus entstandene gemeinsame Funktionseinheit gewährleistet die optimale Versorgung der Neugeborenen.
Mehrwert für Geburtshilfe im Oberland
Nach jahrelangen Diskussionen und Bemühungen um den Erhalt der Geburtshilfe am Landeskrankenhaus Bludenz fiel im vergangenen Herbst die medizinische Entscheidung, die Kreißsaalaktivität an den Standort Feldkirch zu verlegen. Gründe hierfür war neben der anhaltend angespannten Personalsituation im Mangelfach Frauenheilkunde und Geburtshilfe insbesondere die Sicherstellung der bestmöglichen Versorgung für Mutter und Kind – vor allem im Notfall. In komplexen Behandlungssituationen stand in Bludenz kein Krisenteam bereit, zudem gab es keine stationäre Pädiatrie. Kam es zu kritischen Verläufen, war eine Überführung ans LKH Feldkirch unvermeidlich. „So haben wir den Weg gewählt, die zuletzt rund 350 Geburten nach Feldkirch zu holen“, erläutert Prim. DDr. Burghard Abendstein, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im LKH Feldkirch sowie der Abteilung für Frauenheilkunde am LKH Bludenz. Die Maßnahme wurde schließlich mit Jahresbeginn umgesetzt. „Und diesen Schritt haben wir bewusst genutzt, um einen Mehrwert für unsere Patientinnen und ihre Familien zu schaffen.“
Für die Bündelung der Geburtshilfe im Schwerpunktkrankenhaus waren räumliche und organisatorische Anpassungen notwendig. Während die Entbindungsräumlichkeiten mit drei modernen Kreißsälen und einem OP für Kaiserschnitte bereits über ausreichend Kapazitäten verfügten, lag der Fokus vor allem auf dem stationären Umfeld. „Um auch der steigenden Zahl an Müttern optimale Voraussetzungen bieten zu können, brauchten wir mehr Platz“, erklärt Prim. DDr. Abendstein. Und in nur wenigen Monaten ist es gelungen, diesen Platz zu schaffen. „Die erforderlichen Maßnahmen betrafen neben unserem Team auch andere Abteilungen, die verständnisvoll kooperiert haben. Auch die KHBG-Geschäftsführung und die Krankenhausleitung haben den Prozess unterstützt.“
Neue Ambulanzräumlichkeiten bringen Ruhe in den Kreißsaal
Für die Schwangerenambulanz und die im vergangenen Dezember gestartete Stillambulanz entstanden im ersten Stock einladende, modern ausgestattete Ambulanzräumlichkeiten: ein großzügiger Wartebereich, ein helles Untersuchungszimmer sowie zwei CTG-Räume zur Überwachung von kindlichen Herztönen und Wehentätigkeit. Kristina Gamper, leitende Hebamme im Landeskrankenhaus Feldkirch, sieht in den neuen Räumlichkeiten einen großer Gewinn im Ablauf: „Das hat uns ermöglicht, die ambulante Betreuung und die Geburtsbegleitung zu trennen. Dadurch bringen wir mehr Ruhe in den Kreißsaal, der so zu einem intimen Raum wird.“
Frühstückszimmer als Herzenssache
Im ehemaligen Kreißsaal wurden neue Räumlichkeiten für die Mutter-Kind-Station untergebracht. Mit dem Frühstückszimmer wurde ein persönliches Herzensanliegen des Primararztes umgesetzt: „Das ist für die Wöchnerinnen nicht nur ein wertvoller Ort für den Austausch untereinander, sondern unterstützt auch ihre Genesung in dieser besonderen Phase.“ Dass die Mütter bewusst aufstehen und etwas in Bewegung kommen, fördert die Mobilisation nach der Geburt. Das Frühstückszimmer trägt nicht zuletzt dazu bei, dass sich Wöchnerinnen weniger als Patientinnen und mehr als frischgebackene Mütter fühlen, und dient tagsüber auch als Raum für Begegnung und Besuche.
Ankommen als Familie
Für einen zusätzlichen Qualitätssprung in der Unterbringung sorgt das neue Familienzimmer. In den vergangenen Jahren wollten Väter vermehrt ihre Partnerin ins Spital begleiten und die erste Zeit gemeinsam als Familie verbringen. In herkömmlichen Patientinnenzimmern lässt sich das jedoch kaum bewerkstelligen. Für DGKO Natalie Tagwercher, Leiterin der Pflege auf der Mutter-Kind-Station, stellt das neue Angebot eine echte Bereicherung dar: „Das Familienzimmer ist eine gute Möglichkeit, die frühe Bindung der Väter zu den Kindern zu stärken und sich als Familie gemeinsam einzuleben.“ Und auch Frauen nach einem Blasensprung ohne Wehenbeginn können hier auf Wunsch gemeinsam mit ihrem Partner untergebracht werden.
Überdies steht auf der Mutter-Kind-Station in Kürze ein eigener Untersuchungsraum für Kinderärzt:innen zur Verfügung, sodass beispielsweise Abschlussuntersuchungen nicht mehr im Wickelzimmer durchgeführt werden müssen. Und im eigens eingerichteten Babysmile-Zimmer können die ersten Babyfotos künftig in ruhiger Atmosphäre anstatt im Patientinnenzimmer gemacht werden.
„Hausgeburt“ mit Sicherheitsnetz
Die Erwartungshaltung der Gesellschaft an Geburten ist hoch, weiß der Abteilungsvorstand: „Sie gilt jedoch ausschließlich für unkomplizierte Verläufe ohne Risikofaktoren und Komplikationen. Ja, eine Geburt ist grundsätzlich ein familiäres Ereignis. Dennoch braucht es mitunter medizinische Hilfe – so viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Denn jederzeit muss mit unvorhersehbaren Ereignissen gerechnet werden, die eine sofortige Planänderung erforderlich machen.
Die Geburtshilfe Feldkirch schafft für Familien die optimale Lösung: Eine „Hausgeburt im Krankenhaus“, hebammenbegleitet und im Sinne einer sanften Geburt, bietet einen geschützten Raum und verbindet persönliche Betreuung mit ärztlicher Versorgung auf höchstem Niveau – in kürzester Zeit für Mutter und Kind verfügbar. Bei einem Notkaiserschnitt beispielsweise sollten nach medizinischen Qualitätsstandards höchstens 15 Minuten von der Entscheidung bis zur Entbindung vergehen. „Wir sind hier immer unter zehn Minuten“, verdeutlicht Prim. DDr. Abendstein die hohe Expertise seines Teams. „Die Bündelung der Geburtshilfe in Feldkirch bedeutet für die Frauen aus dem Raum Bludenz einen massiven Qualitätsgewinn.“
Rasch zusammengewachsen
Rund 100 Tage nach der Übersiedlung der Geburtenstation von Bludenz nach Feldkirch zieht der Abteilungsvorstand eine positive Bilanz: „Die Einbindung der Mitarbeiterinnen in das Team vor Ort ist problemlos verlaufen.“ Die Umstellung wurde auch deshalb erleichtert, weil die Kolleg:innen aus dem Sommermodell 2022 und 2023 zumeist einander sowie die Räumlichkeiten und Abläufe bereits kannten. Hebamme Kristina Gamper stimmt dem voll und ganz zu. Mit insgesamt 13 Kolleginnen aus Bludenz ist ihr Team im Jänner auf 36 Köpfe angewachsen. Als Leiterin freut sie das große Team besonders: „Es hat nur Vorteile. Bei kurzfristigen Dienstplanänderungen oder Krankenständen ist man in einem so spezifischen Fach wie der Geburtshilfe schnell an Grenzen gestoßen. Jetzt gibt es mehr Personen, die Ausfälle kompensieren können. Dadurch wird auch die Belastung insgesamt geringer.“ Schon nach kurzer Zeit sei ein starkes Wir-Gefühl entstanden. „Wir alle verstehen uns als ein Team.“
Und auch die Auswirkungen auf die Betreuungsqualität sind spürbar. Der Personalschlüssel, der zuvor zwei Hebammen pro Schicht vorsah, wurde mit der Eingliederung der Bludenzer Geburtenstation auf drei aufgestockt. „Das gibt uns bessere Möglichkeiten, einen geschützten Rahmen und eine 1:1-Betreuung während der Geburt zu gewährleisten“, ergänzt Gamper.
Gut aufgestellte Pflege
Die enge Betreuung der Frauen beschränkt sich nicht auf den Kreißsaal, sondern findet auch auf der Mutter-Kind-Station statt. Im Team von Natalie Tagwercher versorgen 22 Pflegefachkräfte und zwei Hebammen Mütter und Neugeborene im Wochenbett, zudem werden auch Geburtseinleitungen begleitet. „Das Einzugsgebiet ist mit der Zusammenführung der Geburtshilfe größer geworden. Wir betreuen nun mehr Wöchnerinnen mit unterschiedlichen Bedürfnissen – das ist eine schöne und bereichernde Aufgabe“, unterstreicht Tagwercher. Das Team der Mutter-Kind-Station ist dafür gut gerüstet, auch wenn der Pflegebereich keinen Zuwachs aus Bludenz verzeichnet hat: „Wir waren auf unserer Station personell schon zuvor gut besetzt und sind das nach wie vor. Meine Stellvertreterin und ich sind froh und stolz, auf ein so starkes Team zählen zu können, das jede Herausforderung gut meistert.“
Wohnortnahe Still- und Schwangerenambulanz
Die Pflegefachkräfte der Geburtenstation Bludenz sind weiterhin im LKH Bludenz tätig – nunmehr in der allgemeinen Frauenheilkunde, die sich seit Jahresbeginn auf Beckenboden-Chirurgie spezialisiert hat und als tageschirurgische Zentrum für gynäkologische Eingriffe fungiert. Und auch eine Hebamme ist an ihrem angestammten Haus geblieben. Sie arbeitet sowohl in der urogynäkologischen Ambulanz als auch in der Still- und Schwangerenambulanz mit, die als Anlaufstelle für Schwangere und junge Mütter eingerichtet wurde. Diese biete ebenso wie die Ende 2025 eröffnete Stillambulanz in Feldkirch wohnortnahe medizinische Betreuung, Beratung und Unterstützung in den sensiblen Phasen rund um Schwangerschaft und Stillzeit. Das wohnortnahe Angebot wird gut angenommen, weiß Primar DDr. Abendstein zu berichten: „Dass wir diese Leistungen, die auch außerhalb des Schwerpunktkrankenhauses abgedeckt werden können, an zwei Standorten vorhalten, bedeutet für die Patientinnen kürzere Wartezeiten und eine bessere Betreuung.“
Fact Box
Still- und Schwangerenambulanz im LKH Bludenz
- Nach der Verlegung der Geburtshilfe bleibt die Still- und Schwangerenambulanz am LKH Bludenz eine wichtige, wohnortnahe Anlaufstelle für Schwangere und junge Mütter aus der Region.
- Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 15 Uhr; telefonische Terminvereinbarung unter T +43 5552 603 2230 (Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr)
Stillambulanz im LKH Feldkirch
- Für wen: Für alle Wöchnerinnen – ob frisch entbunden oder auch später mit Sorgen oder Fragen rund ums Stillen – und für Schwangere (z. B. bei Gestationsdiabetes)
- Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 15 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Terminvereinbarung (T +43 5522 303 2200) von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12 Uhr
Statements:
„Mit der Bündelung der Geburtshilfe in Feldkirch schaffen wir für werdende Mütter und ihre Familien ein spürbares Plus an Sicherheit, Qualität und Betreuung. Mein besonderer Dank gilt allen, die sich aktiv an diesem Prozess beteiligt haben, für ihre Offenheit, ihre gute Zusammenarbeit und dafür, dass sie diesen wichtigen Schritt möglich gemacht haben. Ich wünsche den Teams vor Ort viel Freude, und alles Gute für die gemeinsame Arbeit.“
Martina Rüscher, MBA MSc / Gesundheitslandesrätin
„Trotz des Sparkurses investieren wir in die Zukunft: In den letzten Wochen wurden am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch die Endoskopie, die Intensivstation, eine Neurologie-Station und nun die neuen Räume der Geburtshilfe eröffnet. Das ist ein klares Signal für die Weiterentwicklung unseres Leistungsangebots. Die Zusammenführung der Geburtshilfe im Oberland bringt für Frauen und Neugeborene, auch durch die Nähe zur Pädiatrie, einen deutlichen Qualitätsgewinn.“
Dr. Gerald Fleisch / Geschäftsführer VLKH
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