Zertifizierung für „Fracture-Liaison-Service“ am LKH Bregenz 04.08.2026
Versorgungsprogramm für Osteoporose-Patient:innen bewährt sich
Zwei Jahre nachdem am Landeskrankenhaus Bregenz das „Fracture-Liaison-Service“ eingeführt worden ist, hat die „International Osteoporosis Foundation“ die gelungene Umsetzung des Betreuungsangebots zertifiziert. Das Versorgungsprogramm richtet sich an Patient:innen, deren Knochen durch Osteoporose an Festigkeit und Widerstandskraft eingebüßt haben. Mit Hilfe des international bewährten „Fracture-Liaison-Service“, kurz FLS, können nach einem Knochenbruch mehr Menschen mit Osteoporose erkannt und damit adäquat behandelt werden. Erklärtes Ziel ist es, das Risiko von Folgebrüchen zu minimieren. Die Einbindung des niedergelassenen Bereiches stellt eine lebenslange Prävention sicher.
„Für uns bedeutet die Zertifizierung, auf dem richtigen Weg zu sein“, freut sich OÄ Dr. Angela Leisner-Möschel. Als projektleitende Osteologin ist sie maßgeblich für die Umsetzung des Programms am LKH Bregenz verantwortlich: „Es spornt an, weiterzumachen – unser FLS wird weiterentwickelt, um damit noch mehr Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Frakturen zu erfassen und rechtzeitig präventiv weiterbehandeln zu können.“
Folgebrüche gezielt vermeiden
Osteoporose gehört laut Weltgesundheitsorganisation WHO zu den zehn häufigsten Erkrankungen weltweit. Ein gewisser Verlust an Knochenmasse ist mit zunehmendem Alter zwar normal, die Skeletterkrankung führt aber dazu, dass verstärkt Knochensubstanz abgebaut wird. Je instabiler die Knochen werden, desto mehr steigt das Risiko für Brüche. Charakteristisch für Osteoporose sind sogenannte Fragilitätsfrakturen: Die porösen Knochen brechen schon bei geringerer Belastung oder leichten Verletzungen, die bei gesunder Knochenstruktur ohne Folgen geblieben wären. Am häufigsten betroffen sind Handgelenk, Oberarm, Hüfte, Oberschenkel und Wirbelsäule. Frakturen können zu einer Verminderung der Lebensqualität führen, oft auch zu einer Einschränkung von Selbständigkeit und Beweglichkeit. Speziell beim Oberschenkelhalsbruch kommt es sogar zu einem Anstieg der Mortalität. „Nach einer Hüftfraktur sind etwa 80 Prozent der Patientinnen und Patienten nicht mehr in der Lage, selbständig ihren Alltag zu bestreiten“, verdeutlicht Primar Priv.-Doz. Dr. Günter Höfle, Chefarzt am LKH Hohenems und standortübergreifender Leiter des Fachbereichs Innere Medizin in Hohenems und Bregenz.
Frühzeitig erkannt, lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung durch gezielte Maßnahmen eindämmen. Doch wird die Diagnose oft erst spät gestellt – zu spät, nach Meinung der Fachleute. „Diese Versorgungslücke gilt es zu schließen, um Fraktur-Patientinnen und -Patienten mit Osteoporose zu identifizieren und Maßnahmen zu setzen, um das Auftreten weiterer Frakturen zu vermeiden“, bringt es Prim. Dr. Höfle auf den Punkt. Vor diesem Hintergrund freut sich auch Prim. Dr. Joachim Kopf, Abteilungsleiter der Unfallchirurgie am LKH Bregenz und Hohenems, über die offizielle Zertifizierung des Versorgungskonzepts: „Die Osteoporose-Behandlung hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Im Rahmen des FLS-Programms werden Patient:innen mit einer Fragilitätsfraktur zunächst im Spital unfallchirurgisch versorgt“, schildert er den Ablauf. “Spezialisierte Internisten und Internistinnen wie Angela Leisner-Möschel übernehmen anschließend die umfassende Abklärung des Osteoporose- und Sturzrisikos und entwerfen einen individuellen Behandlungsplan, der dann optimalerweise im niedergelassenen Bereich umgesetzt wird.“
Anerkennung für funktionierende interdisziplinäre Arbeit
Das FLS bildet also auch eine Schnittstelle zwischen stationärem und niedergelassenem Bereich. Unfallchirurg:innen, Fachärzt:innen mit Fokus auf Osteologie, Pflegefachkräfte sowie Allgemein-Mediziner:innen und Therapeut:innen arbeiten zum Wohle der Patient:innen eng zusammen. Voraussetzung für die erfolgreiche Zertifizierung ist der dezidierte Nachweis einer funktionierenden interdisziplinären Arbeit im Sinne der Sekundärprophylaxe nach einem osteoporotischen Bruch. Und das ist gelungen, ist das Team zurecht stolz: „Wir haben gelernt, wie diese Zusammenarbeit mit viel gegenseitiger Wertschätzung wachsen und gut funktionieren kann.“
Im Detail beinhaltet das zunächst ein strukturiertes Erkennen von Risikopatientinnen und -patienten durch das Team der Unfallchirurgie und die Weiterleitung ans FLS-Programm zur osteologischen Beurteilung. Danach folgt die Evaluierung des Frakturrisikos durch eine sorgfältige Anamnese, in die auch radiologische und laborchemische Befunde miteinbezogen werden. Aus sämtlichen Informationen wird der individuelle Diagnostik- bzw. Therapieplan erstellt. Bei der anschließenden Organisation dieses Plans arbeiten wieder unterschiedliche Fachdisziplinen zusammen – die internistisch-osteologische Ambulanz, die unfallchirurgische Abteilung sowie die betreuenden Ärzt:innen aus dem niedergelassenen Bereich. Nach 16 und 52 Wochen wird im Rahmen eines „Recall-Systems“ evaluiert, ob die empfohlene Therapie durchgeführt wird und ob neue Frakturen aufgetreten sind.
OÄ Dr. Angela Leisner-Möschel zieht eine erfreuliche Zwischenbilanz der ersten beiden Jahre: „Durch den zeitlich gut abgestimmten und rechtzeitigen Einsatz verschiedener Osteoporose-Therapien kommt es seltener zu Folgebrüchen. Dadurch werden Belastung und Risiko für die Betroffenen reduziert. Weniger Krankenhaustage und Operationen entlasten gleichzeitig das Gesundheitssystem. Durch die Einbindung des niedergelassenen Bereichs ist gewährleistet, dass die Behandlungen auch nachhaltig sind: Das Fracture-Liaison-Service bietet uns die Möglichkeit, für Menschen mit Osteoporose neben einer adäquaten Behandlung auch eine lebenslange Prävention von Knochenbrüchen sicherzustellen.“