Erste Erfahrungen mit der Pflegelehre 20.05.2026
Schon mit 15 Jahren in den Pflegeberuf einsteigen: Seit Herbst 2023 ist dies in Vorarlberg im Rahmen des neuen, dualen Ausbildungsmodells der Pflegelehre möglich. Dabei verbringen die Lehrlinge rund 80 Prozent der Ausbildungszeit im Unternehmen und 20 Prozent in der Berufsschule. Im Pilotprojekt bildet das LKH Bregenz als erstes Haus der Vorarlberger Landeskrankenhäuser seit September die ersten beiden Pflegelehrlinge aus. Elena Pirker (17) und Niklas Sigismondi (16) sowie ihre Lehrlingsbeauftragten berichten über ihre Erfahrungen.
Für die beiden Jugendlichen, die ihre vierjährige Lehre zur/zum Pflegefachassistent:in (PFA) im Herbst am LKH Bregenz gestartet haben, war die Entscheidung eng mit persönlichen Erfahrungen verbunden. „Mein Papa arbeitet in der Pflege“, berichtet Elena Pirker. „Als Kind durfte ich einmal bei einem Geh-mit-Tag dabei sein, das hat mir sehr gut gefallen. Später habe ich Schnuppertage in einem Pflegeheim gemacht. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben sich immer gefreut, wenn ich ins Zimmer gekommen bin – und das hat mich gefreut. Da wusste ich: Ich möchte Menschen helfen.“ Auch Niklas Sigismondi hat früh einen Bezug zur Pflege entwickelt: „Ich war einmal selbst Patient im Krankenhaus. Dort habe ich beobachtet, wie Pflegekräfte arbeiten und mir gedacht: Das könnte ich mir als Beruf vorstellen.“ Hinzu kam eine weitere prägende Erfahrung: „Als die Demenz von meinem Opa schlimmer wurde, waren meine Familie und ich für ihn da. Genau das möchte ich auch: für andere da sein.“
Abwechslungsreicher Ausbildungsalltag
Der Alltag der Pflegelehrlinge im LKH Bregenz ist vielseitig. Zum einen wechseln Elena Pirker und Niklas Sigismondi jeden Monat die Abteilung oder den Bereich, sie waren bereits in der Inneren, auf der Chirurgie, in der Hygiene, im Casemanagement, in der Patientenaufnahme und an der Information, haben bei einer Sectio (Kaiserschnitt) und einer Knie-OP hospitiert. Zum anderen entstehen mit den unterschiedlichen Patient:innen im Klinikalltag ständig neue Situationen. „Da muss man immer wieder neu auf die oder den Einzelnen eingehen können“, berichtet Elena Pirker. Anfangs halfen beide Pflegelehrlinge vor allem beim Austeilen und Abräumen der Mahlzeiten oder beim Neubeziehen der Betten. Die 17jährige Elena hat die Pflegekräfte außerdem beim Waschen von Patient:innen unterstützt, da sie das Mindestalter für den direkten Umgang mit den Patient:innen erreicht hat. Niklas Sigismondi, noch 16, beobachtet vorläufig viel. „Das ist spannend genug“, sagt er. „Außerdem gibt es die mobile LernWerkstatt in der Pflegeschule Bregenz, an der wir zum Beispiel die Mund- und Körperpflege üben.“ Beide sind begeistert von den spielerischen Praxisübungen wie Memory oder Legekarten, die sich die Lehrbeauftragten, DGKP Melanie Österle und DGKP Corinna Willam einfallen lassen.
Immer ein offenes Ohr: die Lehrlingsbeauftragten
Begleitet werden die Pflegelehrlinge von den Lehrlingsbeauftragten DGKP Melanie Österle, ZPAL (Zentrale Praxisanleiterin zu 40 Prozent) und DGKP Corinna Willam, PAL (Praxisanleiterin zu 20 Prozent). Melanie Österle hat die Pflegelehre am LKH Bregenz initiiert, da sie großes Verständnis für junge Menschen habe, die praxisorientiert lernen und früh Verantwortung übernehmen möchten. „Die Arbeit mit den Jugendlichen bereichert unser Haus sehr“, sagt die Lehrlingsbeauftragte. „Sie bringen neue Perspektiven, stellen wichtige Fragen und geben wertvolle Impulse.“ Vier Jahre seien zudem ausreichend Zeit für eine fundierte Ausbildung. Parallel könne die Matura nachgeholt werden und danach gebe es vielfältige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Die Lehrlingsbeauftragten begleiten die Pflegelehrlinge vor allem praxisbezogen im Klinikalltag und anhand der mobilen LernWerkstatt, aber auch mit schriftlichen Arbeitsaufträgen. Die verpflichtenden Tätigkeitsberichte werden gemeinsam besprochen und reflektiert. Vor jedem Abteilungswechsel bekommen die Lehrlinge und die jeweils Verantwortlichen außerdem ein Infoblatt, das relevante Informationen zum Praktikum enthält und über die Lernziele informiert. „Eine regelmäßige, offene und ehrliche Kommunikation mit allen Beteiligten – halbjährlich übrigens auch mit den Eltern – ist entscheidend“, betont Corinna Willam.
Eine gute Investition in die Zukunft
Pflegedirektorin DGKP Martina Baumgartl, MSc, unterstreicht die strategische Bedeutung der Pflegelehre: „Wenn wir Qualität sichern wollen, müssen wir junge Menschen fördern, ihnen Chancen geben und Verantwortung zutrauen. Ausbildung ist immer eine Investition in die Pflege von Morgen.“ Junge Menschen früh einzubinden, stärke langfristig die Qualität im Haus und sei ganz im Sinne des Spitalscampus Vorarlberg wie auch Landesrätin Martina Rüscher MBA MSc, bestätigt: „Es ist ein wichtiger Schritt, dass die Pflegelehre jetzt auch im Krankenhaus möglich ist, damit schaffen wir neue, praxisnahe Wege in der Ausbildung. Gleichzeitig bauen wir ein durchgängiges Ausbildungssystem auf – von der Lehre bis hin zum Bachelor. So eröffnen wir echte Perspektiven und sichern langfristig gut ausgebildete Pflegefachkräfte. Der Spitalscampus Vorarlberg ist dafür ein zentraler Baustein.“
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